„Red Giselle“: Triumph einer Tänzerin

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Vor einem Jahr hat das Eifman State Academy Ballet aus St. Petersburg bei den Ruhrfestspielen mit Tschaikowskys „Eugen Onegin“ tiefen Eindruck hinterlassen. Am Donnerstagabend kam das Ensemble zurück und brachte das Publikum im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen mit „Red Giselle“ zum Jubeln.

Choreografien dieser Gruppe gehören zum Besten, was man zurzeit an europäischem Tanztheater sehen kann. Die originellen Choreografien, der perfekte, klassische Tanz des Corps-de-ballet und die Bewegungssprache der Tänzerinnen und Tänzer sind einfach nur fantastisch.

In seinem 1997 uraufgeführten Handlungsballett „Red Giselle“ setzt Boris Eifman Olga Spessivtseva ein Denkmal. Die Tänzerin, die 1991 mit 96 Jahren starb, war einer der großen Ballerinen der 1920er- und 30er-Jahre.
Im Ballettsaal, bei der Qual der Mädchen an der Stange, beginnt die getanzte Biografie zu Musik überwiegend von Tschaikowsky, aber auch von Bizet und Schnittke. Der erste der drei Männer, die wichtig im Leben der Primaballerina waren, führt dort ein strenges Regiment.
In einem prächtigen, goldenen Saal tanzt Olga (hinreißend getanzt von Sventlana Bednenko) zum ersten Mal in die Herzen des Publikums. Ein Tschekist der Staatspolizei zieht die Tänzerin auf seine Seite, die der roten Ideologie; fortan ist Olga eine Außenseiterin. An der Grand Opera in Paris feiert die Spessivtseva später triumphale Erfolge, vor allem in ihrer Lieblingsrolle, der „Giselle“. Flotte Charleston-Tänze in Glitzerkostümen bringt Eifman in dieser Szene im zweiten Akt wie ein Showballett auf die Bühne.

Olgas Liebe erwidert ihr neuer Tanzpartner nicht, er umschwärmt in munteren volkstümlichen Szenen ein anders Mädchen; Olga erleidet einen Nervenzusammenbruch, will sich umbringen, aber die Gespenster der Vergangenheit lassen sie nicht ruhen…
Mit wenigen Bühnenversatzstücken schafft Eifman eine faszinierende Ballettwelt, in der die gut zwei Dutzend hervorragenden, klassischen Tänzer in märchenhaft schöner Vollendung ihre Kunst zeigen.
Atemberaubend sind in Eifmans Choreografie jedoch die fantasievollen Hebefiguren, die fast Artistik und die die Petersburger mit einer perfekten Körperbeherrschung zeigen. – Großartig, das sollte man nicht verpassen!
Hoffentlich ist diese Gruppe bei den nächsten Ruhrfestspielen wieder dabei.
Quelle: RuhRNachrichten.de/ Kultur